Vögel füttern
Tiere im Garten

Gartenvögel füttern – ja oder nein?

Heimische Vogelarten sind gern gesehene Besucher in Gärten und gehören zu einem gesunden Ökosystem einfach dazu. Leider sterben nicht nur die Insekten, sondern auch das globale Vogelsterben ist seit einigen Jahren zu beklagen. Für viele Hobbygärtner ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit, auf einen insekten- und vogelfreundlichen Garten zu achten. Aber sollte man darüber hinaus Gartenvögel füttern? Die Frage ist berechtigt. Doch leider sind sich selbst die Experten nicht einig, ob eine Vogelfütterung zu bejahen ist. Wir gehen den wichtigen Fragen rund um die Fütterung von Vögeln nach.

Warum stellt sich überhaupt die Frage, ob man Gartenvögel füttern soll?

Bei der Diskussion über die Vogelfütterung geht es hauptsächlich um drei Argumente, warum Menschen Wildvögel überhaupt gezielt mit Futter versorgen wollen bzw. eine Notwendigkeit darin sehen, heimische Vogelarten füttern zu müssen.

amsel schwarz

Heimische Vögel finden im Schnee keine Nahrung

Angefangen hat zunächst alles mit der Frage, ob Vogelliebhaber im Winter Vögel füttern sollten. Schließlich ist das natürliche Nahrungsangebot im Winter knapp und die frierenden Vögel mit ihren aufgeplusterten Gefiedern sehen hilfsbedürftig aus. Tatsächlich kann ein langer Winter sehr zehrend für die Standvögel sein. Insbesondere dann, wenn die Landschaft von einer geschlossenen Schneedecke umhüllt ist. Haben Vögel keine Chance, selbst Futter zu finden, kann eine Winterfütterung sinnvoll sein.

Vögel sind gern gesehene Gäste im Garten

Viele Menschen lieben es, den Vögeln bei ihrem munteren Treiben zuzuschauen. Indem die gefiederten Gartenbesucher wie Zaunkönig, Rotkehlchen, Spatzen, Meisen, Finken und Co mit Vogelfutter versorgt werden, lassen sich die heimischen Vögel in den Garten locken. Perfekt, um die Tiere in nächster Nähe beobachten zu können. Manche Gartenbesitzer entscheiden sich deshalb für die Ganzjahresfütterung, die allerdings nicht notwendig erscheint.

Geschützte Lebensräume wichtig für den Vogelbestand

Die Entwicklung in der Landwirtschaft wird immer mehr zur Bedrohung der Tier- und Vogelarten. Mechanisierung und Monokultur führen dazu, dass natürliche Lebensräume heimischer Vögel zunehmend zerstört werden. Hinzu kommt das Insektensterben, das insbesondere durch den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden vorangetrieben wird. Dadurch versiegt eine weitere wesentliche Futterquelle für Vögel. Die Überlegung, durch eine ganzjährige Vogelfütterung gefährdete Vogelarten anzulocken und ihnen im eigenen Garten ein sicheres Zuhause zu geben, ist nachvollziehbar. Allerdings bestehen Zweifel daran, dass die Ganzjahresfütterung tatsächlich dem Wiederaufbau der Artenvielfalt zuträglich ist. Viel wichtiger sei es, so NABU, möglichst viele naturnahe Lebensräume zu schaffen, um nachhaltigen Vogelschutz zu erwirken.

Was spricht gegen das Füttern von Vögeln?

Nach Ansicht vieler Naturschutz-Experten sollte man nur dann Gartenvögel füttern, wenn über mehrere Tage und Wochen eine geschlossene Schneedecke die Futtersuche unmöglich macht. Vögel könnten dann tatsächlich verhungern.

Das sind die wichtigsten Argumente gegen Vogelfütterung:

  • Vögel verlernen durch die Futterbereitstellung ihren Instinkt, sich auf Futtersuche zu machen.
  • Die Angst vor Menschen und der natürliche Fluchtinstinkt werden abgebaut, sodass Gartenvögel nicht mehr adäquat auf gefährliche Situationen reagieren könnten.
  • Künstlich angelegte Futterstellen bergen ein hohes Infektionsrisiko. Fressende Vögel können sich über Vogelkot an der Futterstelle infizieren (z. B. Salmonellen, Trichomaden) oder verschimmeltes Vogelfutter fressen.

Letztlich muss jeder gewissenhaft selbst entscheiden, ob und in welchem Rahmen eine Vogelfütterung sinnvoll ist und worauf dabei zu achten ist. Eine tolle Alternative zur Fütterung ist es, einen vogelfreundlichen Hausgarten zu gestalten. Nachfolgend gibt es für beide Varianten tolle Tipps.

Gartenvögel füttern: Darauf sollten Sie bei der Vogelfütterung achten

Möchten Sie eine Futterstelle anlegen, sollte sichergestellt sein, dass das Vogelfutter nicht naß wird und keinesfalls mit Vogelkot in Kontakt kommt. Geeignet sind Futterspender bzw. Futtersilos, die das Vogelfutter vor Feuchtigkeit schützen und bei denen der Vogelkot nach unten fällt. Der Futterplatz sollte einmal wöchentlich gründlich gereinigt werden. Dies geht sehr gut mit heißem Wasser. Dadurch werden gefährliche Keime und die Übertragung von Krankheiten drastisch minimiert.

Wählen Sie einen sicheren Standort, an dem Sie das Vogelfutter anbieten. Der Standort sollte für Katzen unzugänglich sein. Keinesfalls sollten Sie in Bodennähe füttern, denn auch Ratten nehmen das Futterangebot dankend an und sind dabei Überträger von Krankheiten, die den Vogelbestand im Garten gefährden.

Beabsichtigen Sie, in der Nähe eines Fensters die Futterstelle einzurichten, kleben Sie eine mattierende Fensterfolie auf die Glasscheibe, damit das Fensterglas für die anfliegenden Vögel sichtbar wird. So lässt sich vermeiden, dass Vögel gegen die Scheibe fliegen und sich verletzen.

Welches Futter eignet sich für Gartenvögel?

Nicht jede Vogelart bevorzugt das gleiche Futterangebot. Einige Vogelarten wie z. B. Sperling, Fink und Meise zählen zu den Körnerfressen. Sie bevorzugen Sonnenblumenkerne, Sämereien und Nüsse. Vögel wie Star, Heckenbraunelle, Drossel und Amsel sind Weichfutterfresser und bevorzugen Beeren, Rosinen, frisches Obst, Haferflocken Kleie und ähnliches.

Problemlos können Sie ein geeignetes Vogelfutter selbst herstellen, indem Sie Kokosfett schmelzen, mit einem Futterkörner Mix vermengen und daraus Meisenknödel formen oder die Masse in eine halbe Kokosnuss füllen. Nach dem Auskühlen kann die Kokosnuss mit der Öffnung nach unten z. B. im Baum aufgehängt werden. Eine Alternative dazu ist ein loses Vogelfutter, für das Sie Haferflocken, Sonnenblumenkerne, Nüsse sowie Sämereien mit 1-2 Löffeln Speiseöl leicht rösten. Bieten Sie den nahrhaften Futtermix im Futterspender oder Silo an.

Rotkehlchen, Spatzen, Finken, Meisen, Amseln und Co freuen sich darüber hinaus über frisches Obst (Apfelspalten, Bananenscheiben). Wenn Sie Gartenvögel füttern, achten Sie darauf, kleine Futtermengen zur Verfügung zu stellen. Dadurch vermeiden Sie Schimmelbildung und es fällt leichter, den Futterplatz sauber zu halten.

So machen Sie Ihren Garten vogelfreundlich

Der Grundgedanke eines vogelfreundlichen Gartens basiert auf mehreren Säulen und berücksichtigt die Bedürfnisse der verschiedensten Vogelarten. Der Fokus liegt bei der Gartengestaltung darauf, möglichst viele unterschiedliche natürliche Nahrungsquellen zu fördern, um eine bunte Vogelvielfalt in den Garten zu locken.

Das sind die wichtigsten Ziele eines vogelfreundlichen Gartens:

Der Garten bietet den Gefiederten ganzjährig einen relativ sicheren Lebensraum. Heckenpflanzungen schaffen Schutz- und Brutplätze. Insbesondere dornige Hecken sind hervorragend geeignet, da Dornenhecken sogar für Katzen undurchdringbar sind.

Die Früchte von Heckenpflanzen stellen eine hervorragende natürliche Nahrungsquelle für Gartenvögel dar. Deshalb werden zumindest ein Teil der Früchte an der Pflanze belassen. Während der Brutzeit wird auf Heckenschnitte verzichtet, damit der Vogelnachwuchs in Ruhe herangezogen und flügge werden kann.

Im Sommer bietet sich den Gartenvögeln eine saubere Trinkstelle mit frischem Wasser. Bei der Gartengestaltung werden möglichst heimische Pflanzen bevorzugt, die Insekten anlocken, welche ebenfalls auf dem Speiseplan der Gartenvögel zu finden sind.

Ideal ist es, eine kleine Ecke des Gartens abzutrennen und dort etwas Totholz zu lagern. Darin entwickeln sich Käfer, die ebenfalls für einige Vogelarten ein wichtiges Nahrungsangebot sind. Wild wachsende Brennnesseln locken Schmetterlinge und Falter an, deren Raupen von diversen Vogelarten gerne gefressen werden.

Gartenpflanzen als Schutz und natürliches Nahrungsangebot für Gartenvögel

Entscheiden Sie sich gegen die Vogelfütterung, aber Sie möchten dennoch Ihren Garten vogelfreundlich gestalten und den gefiederten Gartenbesuchern beim Überleben helfen, sollten Sie eine sich dicht verzweigende Gartenhecke anpflanzen. Durch die dichten Zweige und das meist immergrüne Laub typischer Heckenpflanzen schaffen Sie einen Lebensraum, in dem Vögel geschützt vor Katzenangriffen Ihre Nester bauen, Eier legen und ihre Brut versorgen können. Zudem sind insbesondere heimische Heckenpflanzen die beste Nahrungsquelle überhaupt. An ihnen können sich nahezu alle Vogelarten selbst mit Futter versorgen.

Neben vielen anderen Pflanzenarten bilden beispielsweise diese Gewächse Früchte aus, die ein natürliches Angebot an Vogelfutter im Garten darstellen:

  • Vogelbeere
  • Europäische Eibe
  • Hagebutte
  • Felsenbirne
  • Schlehe
  • Schwarzer Holunder
  • Eberesche
  • Faulbaum
  • Sanddorn
  • Weißdorn
  • Wildrose
  • Pfaffenhütchen
  • Schneeball
  • Liguster
  • Efeu
  • Wacholder

Indem Sie diese Gewächse in Ihren Hausgarten integrieren, stellen Sie den Vögeln einen wichtigen Lebensraum zur Verfügung. Belassen Sie Beeren und Zapfen an den Pflanzen, um für Ihren Gartenbewohnern dieses phantastische Futterangebot zu erhalten. Das ist die beste Art, auf Vogelfütterung zu verzichten und trotzdem für eine satte und gut genährte Vogelschar zu sorgen.